July 4, 2019

Libra, Facebook's neue Cryptowährung - da macht man besser einen weiten Bogen drum

Facebook gibt sich ja gerade echt einiges an Mühe, um seine neue Cryptowährung seriös aussehen zu lassen. Irgendwie kauf ich denen das nicht wirklich ab.

Ok, Libra ist ein offener Standard. Das ist schonmal gut. Besser noch, es soll von Anfang an mehrere Partner geben, die die Währung anbieten. Man ist also weder von Facebook abhängig, noch muss man überhaupt einen Facebook Account haben, um mit Libra bezahlen zu können. Sieht also auf den ersten Blick zumindest mal so aus, als gestatte Facebook es, dass man auch in der Nachbarschaft, statt nur direkt auf der Giftmüllkippe zelten dürfe. Wo ist also da der Haken?

Naja, reden wir doch mal über Blockchains. Lässt man den ganzen Kryptokrams mal außen vor, dann ist die Kernidee einer Blockchain im Wesentlichem eine verteilte Liste. Verteilt in dem Sinne, dass jeder (Knoten im System) eine Kopie der Liste hat und neue Einträge anhängen darf, die dann jeder andere (Knoten im System) in seine Kopie übernehmen muss (niemand darf/kann bestehende Einträge löschen oder verändern). Wie genau das mit der Zugriffsberechtigung funktioniert ist dabei zunächst einmal unwichtig. Wichtig ist, dass die Liste global ist und jeder (Knoten im System) jederzeit weiß, was jeder andere (Knoten im System) eingetragen hat.

Na, dämmert es?

Facebook wird nicht müde, die Bedeutung seines eigenen Knotens, “Calibra”, herunter zu spielen. Calibra soll nicht system relevant sein und dient überhaupt nur dazu, Libra in die Facebook eigenen Dienste zu integrieren. Klar, kann man glauben (genauso wie man glauben konnte, dass Facebook sich niemals an den Whatsapp Daten bedienen würde). Ist aber auch nicht das Problem. Das Problem ist, dass Calibra durch seine Funktion als Knoten im Zahlungsnetzwerk zwangsläufig Zugriff auf die Blockchain haben muss und dadurch nunmal alle Transaktionen sieht. Auch solche, die eben nicht über Calibra laufen.

Na herzlichen Glückwunsch! Wenn Libra sich durchsetzt, dann kann Facebook uns praktisch allen aufs Bankkonto schauen, egal ob wir nun Mitglied sind oder nicht. Klasse Schachzug.