August 15, 2020

Apropos Rauswurf von Fortnite aus dem Appstore

Wenn sich Apple, Google und Epic darüber streiten, wer den Verbraucher um wie viel melken darf…

Tja, Epic hat also heldenhaft den Rauswurf von Fortnite aus dem Appstore provoziert, um gegen Apple’s überzogene IAP Gebühren für Entwickler zu demonstrieren.

Man könnte jetzt folgenden Gedankengang entwickeln:

  1. Die Alterszielgruppe für Fortnite liegt zwischen 10 und 20 Jahren.
  2. Das ganze IAP Geschäftsmodell dreht sich hauptsächlich darum, mit allerlei Dark Patterns Taschengeld von Kindern abzuschöpfen.
  3. Apple hat 30% Umsatzbeteiligung von Epic für Fortnite abgegriffen und daran $360 Millionen verdient, d.h.
  4. Fortnite hat sich $1,2 Milliarden von seinen Spielern geholt.
  5. Das war jetzt nur ein Spiel auf nur einer Plattform. Zwar ein dickes Kuchenstück, aber eben nur eins von vielen.
  6. Scheiße, die zocken unsere Kinder ab!!!

Wer jetzt fordert, dass IAP verboten gehört, hat natürlich sowas von Recht, aber der persönliche Erkenntnisgewinn sollte ein Anderer sein.

Der Sinn von Taschengeld ist es verplempert zu werden!

Wir Deutschen tun uns wahnsinnig schwer mit Verschwendung (praktisch kein Jahrhundert ohne eine Nachkriegsgeneration - das prägt halt). Taschengeld soll gefälligst zuerst in die Sparbüchse und von da, spätestens am Weltspartag, aufs Bankkonto wandern. Das Kind soll lernen Rücklagen zu bilden. Problem ist halt nur dass die Zinsen auf Kleckerbeträge eben nicht den inflationsbedingten Kaufkraftverlust wett machen (für diejenigen, die noch D-Mark Zeiten erlebt haben: was hat eine Kugel Eis damals gekostet und wie viel zahlt man heute?). Im Grunde genommen ist das Ergebnis also noch schlechter als wenn das Kind bunte Pixel kauft. Die machen wenigstens Freude, während der Wert auf dem Sparbuch mit der Zeit einfach nur verpufft. Schlimmer noch, das Kind lernt dabei nicht den Umgang mit Geld, eben weil es dieses ja nicht nutzt (nutzen darf), sondern halt nur (einen ziellosen) Verzicht.

Der Sinn von Taschengeld ist es, Kindern genau soviel finanziellen Spielraum einzuräumen, dass es gerade so (nicht) für den regelmäßigen (Luxus-)Konsum wie Zeitschriften, Eis, Kinobesuch etc. reicht, d.h. das Kind zu zwingen, selbst abzuwägen, was ihm wichtiger ist, worauf verzichtet werden kann und worauf es sich eventuell lohnt zu sparen.

Nebenbei, der Versuch, sich an Kindern und Jugendlichen mit teuer verkauften Billigprodukten zu bereichern ist kein wirklich neues Phänomen, denkt einfach mal an:

  • Sammelbildchen / Sammelkarten
  • Klingeltöne / SMS Chats
  • Losbuden auf Rummelplätzen

Da fällt man halt in jungen Jahren drauf rein, lernt seine Lektion (für ein Taschengeld) und macht denselben Fehler (hoffentlich) nicht wieder als Erwachsener.